Grillpavillons am Mauerpark: Ordnung gewonnen, sozialer Freiraum verloren

Veröffentlicht am 30.07.2013 in Stadtentwicklung
Mit der Erweiterung des Mauerparks geht die Diskussion in eine entscheidende Runde. Jetzt, wo das Ding schon größer wird, stellt sich für viele die Frage: was für einen Mauerpark wollen wir dann? Die Antwort von Jens-Holger Kirchner, seines Zeichen Stadtrat für Stadtentwicklung: einen zum Grillen, aber bitte schön mit festen Grillplätzen. Die gibt es zum Beispiel in Dänemark, weiß er nach seinem Urlaub.

Von Markus J. Roick

Man muss dafür nicht mal nach Dänemark fahren. Wen man googelt, kommt man zum Beispiel zu festen Grillplätzen in Hannover. Da macht jedoch kaum jemand Urlaub und es klingt nicht nach weiter Welt, sondern eher nach – Hannoveraner mögen mir das nachsehen – Spießigkeit. Das führt zu der Frage zurück: was für einen Mauerpark wollen wir?

Jetzt haben wir einen, auf den mit wenigen Ausnahmen gegrillt werden darf (das Birkenwäldchen ist zum Beispiel ausgenommen). Es gibt viele, die ihn in seiner jetzigen Form nicht wollen, sondern lieber einen zweiten Bürgerpark (mit der M1 ganze 15 Minuten entfernt!). Da der Mauerpark aber am Wochenende nicht menschenleer ist, gibt es scheinbar auch den einen oder anderen, der dort gerne ist, isst und grillt.

Für die Bürgerpark-Fans stört da natürlich die freie Grillfläche. Mit festen Grillpavillons wirkt das viel ordentlicher. Und es gäbe dann ja auch mehr Fläche zum Grillen durch die Erweiterung in den Wedding hinein. Ja, das stimmt. Mehr Fläche, aber weniger Raum zum Grillen. Heute kann die Fläche in Pankow ganz genutzt werden. Nach der Erweiterung gibt es dann zwar mehr Fläche, aber feste Grillplätze an Pavillons im Prenzlauer Berg und (vielleicht) im Wedding. Also gibt es in der Summe dann weniger Grillmöglichkeiten. Außer der Mauerpark wird mit Grillpavillons zugepflastert. Natürlich kann sich Kirchner dann konsequenterweise auf weniger Müll freuen: wo nur wenige grillen können, fällt weniger Müll an.

Das führt zu einer zweiten Frage: für wen wollen wir den erweiterten Mauerpark? Scheinbar nicht für die Leute mit kleinen Geldbeutel. Grillflächen sind sozialer Freiraum, an denen Begegnungen stattfinden und man mit kleinem Geldbeutel seine Freizeit mit Freunden und Familie zusammen verbringen kann. Weniger Grillfläche und diese stärker reguliert bedeutet weniger sozialen Freiraum. Die Menschen auf der Suche nach kostengünstiger Freizeitbeschäftigung werden aus dem öffentlichen Raum, zumindest den Mauerpark stärker verdrängt. Betrachtet man berlinweit die Grillflächen, die geschlossen wurden, dann ist das dramatisch. Gut, dass der Flughafen Tempelhof dichtgemacht wurde: ohne das Feld dort gäbe es einen Notstand, was Grillflächen angeht.

Der Mauerpark verliert aber nicht nur als sozialer Freiraum an Wert, sondern auch für Touristen. Das begrüßen einige Anwohnerinnen und Anwohner sicherlich. Berlin braucht aber als Metropole und Tourismusmagnet auch Orte wie den Mauerpark. Nicht jeder Tourist will die ganze Zeit Fotos vom Berliner Dom (und dann eventuell Grillpavillons) machen. Der Mauerpark ist ein Magnet für Touristen und junge Menschen, das zeigt sich immer und immer wieder. Die Grillgegner und Befürworter von Pavillons sagen, die Zustände dort sind unerträglich, harren der Ordnung– nur seltsam wie viele Menschen sich unter diesen Bedingungen dort aufhalten und das sogar freiwillig!

Ich will einen Mauerpark für Viele mit wenig vorgegebener Ordnung. Dieser Mauerpark wird nie wie der Bürgerpark sein. Wenn ich Bock auf Bürgerpark habe, dann fahre ich dahin oder laufe zum Falkplatz. Eine bestimmte Art Mauerpark will ich aber sicher nicht haben: eine ordentliche Verlängerung des aufgewerteten Teils des Prenzlauer Bergs in den Wedding hinein. Die Frage des Grillens wird mit entscheiden darüber, wer letzten Endes den erweiterten Mauerpark nutzen wird und was für einen Park wir dann bekommen. Wir brauchen in Berlin weiterhin Raum für Leute mit kleinem Geldbeutel, für Touristen, für Jugendliche. Also bitte keine in Beton gegossene Grillordnung, sondern vorher eine ehrliche und offene Diskussion in die weitere Öffentlichkeit tragen, welchen Park wir wollen!

 

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