Im Gedenken: Fritz Erler

Veröffentlicht am 21.02.2017 in Geschichte

Fritz Erler 1965, links neben Willy Brandt. Rechts US-Verteidigungsminister Robert McNamara.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Fritz Erler am 22.2.1967 in Pforzheim verstarb. Damit ging ein Leben zuende, dass am Humannplatz begann. Dort wurde Fritz Erler am 14.7.1913 in der Zelterstraße geboren. Die ersten drei Jahre lebte dort seine Familie, bevor sie in die Chodowieckistr. 17 umzog. An dieser Stelle erinnert der Bezirk seit letztem Jahr an seinen berühmten Sohn. Heute findet dort ein öffentliches Gedenken um 17.30 Uhr mit Klaus Mindrup, MdB, statt.

Geboren wurde Erler in eine SPD-Familie. Sein Vater besaß einen Friseurladen und war Vorsitzender der 24. SPD-Abteilung (vermutlich die am Humannplatz). Seine Mutter Anna (geb. Rottke) war bereits 1906 der SPD beigetreten, sechs Jahre vor ihrem Mann.

Ihr Sohn Fritz besuchte die Oskar-Cassel-Realschule in der Bötzowstraße (die heutige Kurt Schwitters Schule) und wechselte 1929 an die Königsstädtische Realschule (KOR) in der Pasteurstraße. Sein politisches Engagement begann dort: er wurde zum Schülersprecher gewählt, trat mit 15 Jahren der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) bei, der damaligen Jugendorganisation der SPD. Mitglied der SPD wurde er 1931, war aber weiterhin vor allem in der SAJ tätig.

Nach dem Abitur besuchte er das Verwaltungsseminar der Stadt Berlin und trat 1935 als außerplanmäßiger Inspektor der Stadtverwaltung bei. Dort auf Arbeit lernte er seine Frau kennen, Käthe Wiegand, die wie er aus den Reihen der SAJ kam. Sie heirateten im Juli 1938.

In den Reihen der Arbeiterjungend lernte er unter anderem Erich Schmidt kennen, dem Landesvorsitzenden der SAJ. Beide näherten sich bereits vor der Naziherrschaft der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ an und wurden wegen politischer Differenzen aus der SPD ausgeschlossen. Streitfrage war, inwieweit man die SPD auf Widerstand gegen Hitler bereits vor dessen Machtergreifung ausrichten sollte. Der Parteivorstand verfolgte dabei eine strikt legalistische Position, Erler trat für den Aufbau konspirativer Strukturen ein.

Aus dem Staatsdienst wurde er 1938 entlassen, als führender Kopf von „Neu Beginnen“ wurde er vom Volksgerichtshof wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, verbunden mit Zwangsarbeit. Sein Leidensweg führte ihn durch Berlin, Brandenburg, Aschendorfer Moor (Emsland), Dieburg (Hessen) und Kassel-Wehlheiden. Im April konnte er von dem Transport nach Dachau fliehen und versteckte sich bis Kriegsende.

Nach einer kurzen Zeit als Landrat gehörte er dem Bundestag von 1949 bis 1967 an. Dort wirkte er als Experte für Außen- und Wehrpolitik. In der SPD setzte er sich für eine Öffnung der Klassenpartei zu einer sozialdemokratischen Volkspartei ein und dafür, die Parteisprache zu modernisieren. Er gilt als einer der Wegbereiter des Godesberger Programms der SPD (1959).

Kurz vor Eintritt der SPD in die Bundesregierung 1966 brach seine tödliche Blutkrankheit aus. An den Koalitionsverhandlungen konnte er nicht mehr teilnehmen. Vom Krankenbett aus richtete er jedoch einen längeren, bekannt gewordenen Brief an Willy Brandt, in dem er zur Beendigung der Regierungskrise eine Koalition von CDU/CSU und SPD befürwortete. Erlebt hat er es nicht mehr, er starb am 22. Februar 1967. Zwei Tage nach seinem Tode ehrte ihn das Parlament mit einer  Trauerfeier im Plenarsaal. Der Tagesspiegel gedachte an den Arbeiterjungen vom Humannplatz mit den Worten:

„Obwohl er keinen Titel getragen und kein öffentliches Amt bekleidet hat, wird Fritz Erler von der Geschichte zu den zehn Männern gezählt werden, die in den ersten zwei Jahrzehnten der Nachkriegszeit den stärksten Einfluß auf die deutsche Politik ausgeübt haben. ... alle waren sich darüber einig, daß er mit seinem Wissen, seiner Intelligenz, seiner Beherrschung des politischen Metiers zu den Zierden der deutschen Demokratie gehörte.“

Eine Broschüre über sein Leben und Wirken wurde von Dr. Heiko Holste erstellt und kann im Wahlkreisbüro von Klaus Mindrup (Kopenhagener Str. 76) abgeholt werden.

Quelle des Fotos: Wikipedia F.Hall, U.S. DefenseImagery photo VIRIN: DA-SN-85-11301

 

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