Von der Kultur her denken

Veröffentlicht am 25.01.2012 in Kultur

Angesichts drohender Mittelkürzungen für diverse Pankower Kultureinrichtungen fragt sich Wolf Witte, Mitglied der SPD Falkplatz-Arnimplatz, was Kultur eigentlich leisten sollte – zumal aus sozialdemokratischer Perspektive. Denn daraus ergeben sich weitere Fragen, die auch die Prioritätensetzung der gesamten Berliner Kulturpolitik betreffen.

Kommentar
von Wolf Witte

Von „Notstand“ ist die Rede: Diverse Pankower Kultureinrichtungen sehen sich durch Mittelkürzungen bedroht. Der Bezirk müsse sparen. Fünf Millionen Euro, um genau zu sein, von denen 1,5 das Ressort des Stadtrats Torsten Kühne (CDU) betreffen. Der ist zwar für das Ordnungsamt, das Bürgeramt, Verbraucherschutz und Umwelt zuständig, aber eben auch für Kultur. Und nur dort könne der Rotstift angesetzt werden, denn die übrigen Bereiche erfüllten „gesetzliche Pflichtaufgaben“, so Kühne gegenüber der „Berliner Zeitung“.

Viel wird also über Geld gesprochen, über Kultur, so scheint mir, hingegen nur wenig. Dass man sie braucht, darüber herrscht Konsens. Was sie aus politischer, insbesondere sozialdemokratischer, Sicht leisten könnte oder sollte, darüber wird, so scheint mir, wenig gesprochen. Es folgt ein Versuch. spontan und subjektiv.

Kultur sollte... - eine Selbstvergewisserung

...sich erhalten: Die Klassiker aufführen, neu auflegen, das Bewährte und die alten Werke, nicht nur die Meisterwerke, neuen Generationen zur Verfügung stellen. Was direkt überleitet zu:

...bilden: sei es ganz unmittelbar durch ein Fachbuch aus der Bibliothek, sei es durch das Vergegenwärtigen vergangener Dekaden und Epochen durch die Augen von Goethe, Beecher-Stowe, Tolstoi, Burroughs und Döblin. Oder Patti Smith, Johnny Rotten und Chuck D. Womit gilt:

...verfügbar sein: Lokal und erschwinglich. In der Stadtteilbibliothek, dem Off-Theater jenseits von Mitte, dem Kellerclub, wo man so nah an der Bühne steht, dass man dem Gitarristen das Instrument verstimmen könnte, wenn man wollte. Allem voran aber muss gelten:

...schöpfen: Was auch sonst? Ist doch die Schöpfung, die Kreation, grundlegender Antrieb allen kulturellen Schaffens. Alles was aufgeführt, dargeboten, gedruckt und gelesen wird, beruht auf Schöpfungen und deren Einfluss: als Inspiration und Zitat, inzwischen auch als Remix und Mashup. 

Erhalten... und schöpfen!

Trägt nun eine Berliner Zentralbibliothek zur Verfügbarkeit bei? Oder nicht vielleicht die Stadtteilbibliothek in Karow/Buch?

Fügen die großen Veranstaltungsarenen Schöpfung hinzu, oder sind sie Cash Cow für längst etablierte "Acts" und deren Verwertungsgesellschaften?

Und wer, wenn nicht Musikschulen, soll denn bitte Menschen an die Beherrschung eines Instruments und musikalischer Fertigkeiten heranführen?

Das mag alles nicht sonderlich weltstädtisch wirken oder vor Grandesse sprühen. Es wirkt auch nicht als Touristenmagnet oder liefert gute Bilder beim ersten Spatenstich. Was Berlin aber derzeit kulturpolitisch tut, überbetont, ist der Erhalt des Arrivierten, Etablierten, Risikofreien – der „sicheren Bank“ eben.

Ich wünsche mir aber eine Kulturlandschaft, die mindestens ebenso viel schöpft, wie sie erhält. Sicher brauchen wir die großen Theater, Opern, Konzertarenen. Nirgendwo wird so für Kultur begeistert wie dort. Ebenso sehr brauchen wir aber Proberäume, Musikschulen, Bibliotheken, die "Theater unterm Dach" und die Clubs, in denen Nachwuchsbands vor drei Leuten debütieren und auch dilettieren können.

Daher: Über Kultur reden. Und dann vor allem über eine sinnvolle Balance zwischen Schöpfung und Erhalt. Und dann über Geld. Die SPD Falkplatz-Arnimplatz wird dieses Thema in den nächsten Monaten im Blick behalten und das Gespräch mit den politischen Verantwortungsträgern suchen.
 

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