Während im Palast der Republik die Staatsmacht den 40. Jahrestag feiert und davor Demonstranten zusammengeprügelt werden, gründen im Pfarrhaus des Dorfes Schwante (Kreis Oranienburg) etwa 40 Oppositionelle noch unter den Bedingungen der Illegalität die 'Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP'.
Die Wahl des Namens und der Abkürzung will auf der einen Seite die Eigenständigkeit gegenüber der bundesdeutschen SPD betonen. Andererseits versteht sich die Gründung als Fortsetzung der großen Tradition der sozialdemokratischen Partei in Deutschland und als Teil der internationalen sozialistischen Bewegung. Insofern fühlt sich die SDP eng mit der SPD der Bundesrepublik verbunden.
■ Teil der Bürgerbewegung, mit Anspruch auf politische Verantwortung
Die SDP ist von ihrer Entstehung her Teil der neuen Bürgerbewegung. Die Bürgerbewegung nimmt jedoch durch die Gründung der SDP in Schwante eine neue Dimension an. Während die Gruppen, Initiativen oder Bewegungen zwar mehrheitlich politische Entscheidungen beeinflussen, selbst aber keine institutionelle politische Verantwortung übernehmen wollen, konstituiert sich die SDP als erste und einzige politische Partei neu.
Es wird ein 15-köpfiger Vorstand gewählt mit Stephan Hilsberg als Ersten Sprecher, Angelika Barbe, Markus Meckel als Zweite Sprecher. Geschäftsführer wird Ibrahim Böhme. Ende November 1989 hat die SDP bereits 10.000 Mitglieder, vorwiegend in Sachsen und dem Berliner Raum.
Literaturhinweise:
- Neugebauer, Gero (1992): Die SPD in der DDR 1989 – 1990. Aus der Bürgerbewegung in die gesamtdeutsche Sozialdemokratie, Berlin.
- Schuh, Petra (1997): Die deutsche Sozialdemokratie 1989, 90. SDP und SPD im Einigungsprozess, München.