Den Wandel im Blick

Veröffentlicht am 09.05.2012 in Abteilung

Spannende und wechselvolle Biografien standen im Vordergrund beim jüngsten „Talk im Kiez“ der SPD Falkplatz-Arnimplatz. Passend zum ebenso spannenden und wandlungsfähigen Gleimkiez, dem heimlichen „Stargast“ eines jeden Talks. Der rote Faden des Abends war die Frage: Wie tolerant ist der Gleimkiez geblieben?

Susanne Schirdewahn, erster Talk-Gast des Abends, hat „bis heute nicht aufgehört“ zu suchen: Vor allem nach der richtigen oder der Zeit angemessenen Ausdrucksform ihrer Kunst. Nach Anstellungen bei Filmproduktionsfirmen und Theatern studierte Schirdewahn Theaterregie, um dann zum Schreiben und Malen zurückzukehren. Heute beschäftigt sich die „Multitasking-Künstlerin“ unter anderem mit Objektkunst.

Gleimkiez: Solidarisch und tolerant
„Sehr idyllisch“ sei das Gleimviertel gewesen, als Schirdewahn vor zwölf Jahren herzog – auch wenn die Wohnungen bereits damals sehr begehrt waren. Den Wandel des Kiezes erlebte sie in den eigenen vier Wänden mit, als Investoren das Haus, in dem sie noch immer wohnt, kauften und modernisierten. Dennoch zeichne den Arnimkiez bis heute eine „große Solidarität und Toleranz“ aus, wie die Künstlerin unterstrich.

So sah das auch Olaf Titel, der zweite Talk-Gast. Als er 1991 zum Studieren nach Berlin zog, erlebte er die Stadt als eine, die „alles erlaubt. Das kannte ich nicht“, erinnerte sich der gebürtige Bad Segeberger. Er ist damals mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt gefahren, hat auf diese Art sämtliche Bezirke durchstreift und sich in den vielen verschiedenen Szenen der Stadt bewegt.

„Die ticken ja völlig anders als ich“
Als Wolfgang Gross erstmals den Nachbarbezirk Wedding betreten konnte, nämlich am 9. November 1989 über die Bornholmer Brücke, war er enttäuscht: „Das sieht ja aus wie im Osten“, war sein erster Gedanke zu West-Berlin. Gross ist im Gleimviertel aufgewachsen, hat als Kind oft die Keller im Kiez durchstreift und sich in einem Kohlehandel ein paar Pfennige verdient.

Kinder wuchsen damals völlig anders auf als heute, weiß Gross. Sie waren viel alleine, mussten sich „komplett selbst organisieren“. Ähnlich wie Susanne Schirdewahn betätigte sich auch Gross als umtriebiger Künstler: Erst reisender Pantomime, dann am Theater, später als Fotolaborant, entschied er sich nach der Wende: „Jetzt ist die Spielerei vorbei“ und begann eine Kaufmannslehre – um später festzustellen: „Die ticken ja völlig anders als ich.“

„Wer kein Geld hat, der ist nicht da“
Heute wohnt Gross zwar nicht mehr im Gleimkiez, arbeitet dort aber noch, denn er betreibt das Fotostudio „LichtMal“ in der Kopenhagener Straße, in dem er interessierten Hobbyfotografen feinfühlig das Metier der Schwarz-Weiss-Fotografie näher bringt. Und die Toleranz im Kiez? Die sieht Gross ein wenig anders als Susanne Schirdewahn und Olaf Titel: „Wer kein Geld hat, der ist nicht da“, bedauert er. Der Prenzlauer Berg werde immer homogener und würde sich zunehmend selbst genügen.

Der nächste Talk im Kiez wird am 26. Juni stattfinden. Wie immer im „Haus der Sinne“ in der Ystader Straße 10. Einlass ist ab 19:30 Uhr, Beginn um 20:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

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Roland Schröder | 

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