Fakten zur aktuellen Diskussion über die notwendigen Baumfällungen

Veröffentlicht am 03.05.2008 in Umwelt

Nicht bei jedem Baum ist der Schaden so offensichtlich wie hier- aber nicht minder gefährlich

In den Straßen Pankows stehen rund 800 Bäume der Sorte Traubenkirsche (prunus padus). Alleine im letzten Jahr sind 22 Traubenkirschen trotz regelmäßiger Kontrolle umgefallen. Gegen das Bezirksamt wird bereits Schadensersatz juristisch eingefordert. Bei allen umgefallenen und als umsturzgefährdet eingeschätzten Traubenkirschen wurde eine Wurzelfäule festgestellt.

Der sichtbare Zustand der blühenden Baumkronen gibt keinen Hinweis auf die Bruch- oder Standsicherheit der Traubenkirschen. Auch äußerlich völlig vital wirkende Bäume können eine Gefahr darstellen, denn zur Versorgung der Krone reichen die äußeren Jahrringe, also wenige Zentimeter Holz, aus. Die sichere Stabilität ist damit nicht gewährleistet.

Nach Bürgerprotesten im vergangenen Jahr wurden geplante Fällungen von Traubenkirschen im Prenzlauer Berg ausgesetzt.

Die Notwendigkeit der Fällungen sollte anhand eines neutralen Gutachtens nachgewiesen oder widerlegt werden. Die Bürgerinitiativen benannten zahlreiche potentielle Gutachter. Das Bezirksamt und die Bürgerinitiativen verständigten sich auf die Gutachter Rinn aus Heidelberg und Dengler aus Lauf. Beide gehören zu den von den Bürgerinitiativen benannten potentiellen Gutachtern.

Das detaillierte Gutachten wurde am 8. April vorgelegt und hat ergeben, dass von den 161 untersuchten Traubenkirschen 60 akut umsturzgefährdet sind und daher unverzüglich zu fällen sind. Eine andere Entscheidung wäre grob fahrlässig und hätte im Schadensfall juristische Konsequenzen für das Bezirksamt.

Das Ergebnis des Gutachtens wird von den Bürgerinitiativen nicht akzeptiert. Ein vermeintliches „Gegengutachten“, das nur eine Stellungnahme zu dem Gutachten von Dengler und Rinn ist, kommt zu dem Ergebnis, dass 30 der 60 akuten Gefahrenbäume noch länger stehen bleiben könnten.

Am 29. Mai werden die Gutachter Dengler und Rinn in der öffentlichen Sitzung des Umweltausschusses der Bezirksverordnetenversammlung darlegen, dass die vorgebrachten Kritikpunkte substanzlos, nicht nachvollziehbar oder irrelevant bezüglich der Problem- bzw. Aufgabenstellung sind, so dass das „Gegengutachten“ in keiner Weise Grundlage von verantwortlichen sicherheitsrelevanten Entscheidungen über die untersuchten Traubenkirschen sein kann.

Parallel zur Problematik „Wurzelfäule der Traubenkirschen“ wird intensiv an einer Baumleitplanung gearbeitet. In 33 Straßen des Prenzlauer Berges – insbesondere dort, wo die Traubenkirsche vorhanden ist - wird eine Bestandsaufnahme der Baumstandorte erstellt, damit Standortbedingungen geschaffen werden können, mit denen künftige Straßenbäume länger überleben können.

Die Ergebnisse der Baumleitplanung sind Grundlage für die Nachpflanzungen, die im Herbst beginnen werden und für die 150.000 Euro (ca. 200 Bäume) für 2008 zur Verfügung stehen.

Vor dem Hintergrund dieser Fakten, die auch den Bürgerinitiativen bekannt sind, erscheint deren Verhalten unverständlich. Durch den Diebstahl von Parkverbotsschildern und anderen Versuchen, die unvermeidlichen Fällungen zu verhindern, tragen sie zur Eskalation bei und provozieren überflüssige Polizeieinsätze.

Die Bäume profitieren davon nicht - aber um die geht es vielleicht in Wirklichkeit auch nicht.

Quelle: http://www.matthias-koehne.de/

 

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