Der Flughafen Tempelhof: Quo Vadis?

Veröffentlicht am 20.03.2008 in Berlin

In den letzten Wochen hat sich um den Flughafen Tempelhof eine leidenschaftliche und hitzige Debatte entwickelt. Ursache für diese Aufregung ist die anstehende Volksabstimmung am 27. April, bei der die Berliner über die Zukunft des Flughafens entscheiden können. Dieses ist Grund genug, nüchtern die Argumente für und gegen den Flughafen Tempelhof abzuwägen.

Historische Bedeutung ist kein ökonomisches Argument

Die Befürworter eines Erhaltes des Flugbetriebes in Tempelhof argumentieren oft mit der historischen Bedeutung des Flughafens. Ohne Zweifel ist Tempelhof ein Teil der Berliner Geschichte. Die Luftbrücke von 1948/49 wäre ohne Tempelhof nicht denkbar gewesen. Millionen von Berlinern erhielten auf diese Weise Nahrung und Brennstoff. Dieses alleine ist aber kein Argument, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Denn das Andenken lässt sich auch ohne einen Flugbetrieb bewahren. Eine Schließung des Flughafens bedeutet nicht, dass die Gebäude abgerissen werden, da sie unter Denkmalschutz stehen. Vielmehr ist es so, dass die riesigen, denkmalgeschützten Gebäude einer kostendeckenden, bzw. gewinnbringenden Nutzung als Verkehrsflughafen entgegenstehen. Zugleich ist die Landebahn für eine Boeing 747 zu kurz und die gesamten Anlagen sind veraltet. Eine weitere Nutzung erscheint somit nicht sinnvoll zu sein. Man sollte auch nicht übersehen, dass ein innerstädtischer Flughafen eine große Gefahr für die Bevölkerung ist. Schon 2001 stürzte eine kleine Maschine in einem Hinterhof in Neukölln ab. Man möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn es eine größere Verkehrsmaschine gewesen wäre.

Das Flughafengelände als ein neuer Stadtteil

Das führt aber direkt zur Frage, was mit den 386 Hektar im Herzen der Stadt geschehen soll. Sie bieten die Möglichkeit mittels einer Mischbebauung positive Impulse für die Stadt zu erzeugen. Eine großzügige Begrünung z.B. könnte das städtische Klima positiv beeinflussen und die Feinstaubbelastung senken. Tempelhof bietet genug Platz, sowohl für eine Wohn-, als auch für eine Gewerbebebauung und kann so für diese ökonomisch schwache Stadt wichtige Impulse liefern. Ein abschließendes Konzept liegt noch nicht vor, aber geschlossen scheint der Flughafen Berlin mehr Perspektive zu bieten, als wenn er offen bleibt.

Tempelhof gefährdet Berlin – Brandenburg International (BBI)

Das triftigste Argument für die Schließung von Tempelhof ist die Gefährdung von BBI. Dieses erscheint zunächst absurd, ist aber juristisch logisch. Anfang der neunziger Jahre beschloss der damalige CDU-geführte Senat zusammen mit der Bundesregierung den Bau eines neuen Flughafens außerhalb von Berlin. Ein solcher Flughafen stellt natürlich einen Eingriff in die Rechte von Menschen dar, in diesem Falle der Bewohner von Schönefeld. Man begründete diesen Eingriff damit, dass man mit BBI die Flughäfen in Tempelhof und Tegel schließen und so die Menschen in Berlin entlasten könnte. Schlösse man also jetzt Tempelhof nicht, käme es zu einer Klageflut gegen BBI und möglicherweise zu einem Scheitern dieses Projektes.
Dieses allerdings wäre für den Wirtschaftsstandort Berlin eine Katastrophe. Nur der neue Flughafen in Schönefeld deckt das zu erwartenden Passagieraufkommen in der Region. Dieses ist seit der Wende auf rund 20 Millionen gestiegen und wird weiter steigen. Dabei handelt es sich um Menschen, die als Touristen oder als Geschäftsreisende Geld in die Region bringen. Die Industrie- und Handelskammer geht davon aus, dass 1 Millionen Passagiere rund 1000 Arbeitsplätze schaffen. Schönefeld kann auf diese Weise zu einem Wachstumsimpuls für die gesamte Region werden.

Tempelhof muss geschlossen werden

Bei allen Risiken und Unwägbarkeiten, die im Zusammenhang mit Tempelhof mitzudenken sind, sind die Argumente für die Schließung stärker. Es ist richtig, dass noch kein endgültiges Konzept über die Nachnutzung vorliegt, aber die Alternative ist der defizitäre Betrieb von Tempelhof. Die Perspektive im Flugverkehr für Berlin ist Berlin-Brandenburg International und diese darf nicht durch den Erhalt von Tempelhof gefährdet werden.

Bericht: Michél Breitinger

 

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