Die internationale Finanzkrise – det jeht mich doch nix an?!

Veröffentlicht am 15.04.2008 in Finanzen

Schon seit Ende des letzten Jahres ist sie fast permanent in den Medien präsent – die internationale Kreditkrise. Auslöser sind Einbrüche im sogenannten sub-prime Segment der Immobilienkreditwirtschaft. Von vielen Milliarden, ja gar Billionenverlusten für die gesamte Weltwirtschaft ist die Rede.
Das betrifft Otto-Normalverbraucher in unserem Kiez ja eigentlich gar nicht. Viele unserer Kiezbewohner hatten es gar nicht so dicke, dass sie ihr Erspartes in diversen Fonds für eine hohe Rendite anlegen konnten.... oder betrifft es uns etwa doch? Lenken wir unseren Betrachtungswinkel von der Makroperspektive der globalen Finanzwirtschaft hinunter in unseren Kiez.

Faule US-Kredite am deutschen Markt

In den USA werden Kredite an „Häuslebauer“ vergeben, welche diese Kredite aber später nicht mehr bedienen können. Parallel dazu wurden diese, teils faulen, Kredite aber auch in komplexen Paketen an andere Banken und Fonds (Hedgefonds, Private Equity Gesellschaften etc.) weiterverkauft. Irgendwann kamen diese auch bei den hiesigen Geschäfts- und Landesbanken an. Nachdem offensichtlich wurde, dass das Angebot dieser „Ramschpapiere“ die Nachfrage bei weitem überstieg, bricht der Markt für diese Papiere zusammen. Die Häuser und Grundstücke, hauptsächlich in den USA, sind natürlich noch da, aber niemand möchte diese erwerben (bzw. die Grundschuldbriefe hierfür).

Was wäre in einer Marktwirtschaft die Folge? Die entsprechenden Banken hätten einen Verlust zu beklagen, im schlimmsten Fall wären sie pleite.

Was aber war die Folge?

Die Notenbänker und Finanzminister der betroffenen Staaten, bzw. der Länder, in denen die Banken in großem Umfang mit diesen Papieren gehandelt haben, befürchten eine Destabilisierung der internationalen Finanzmärkte. Folglich sprangen sie mehr oder weniger schnell mit Notkrediten für die Betroffenen ein. Nachdem immer mehr Banken immer mehr faule Kredite einräumen und „entdecken“, rief sogar der ansonsten eher marktgläubige Chef der Deutschen Bank den Staat um Hilfe. Der Staat soll es nun also richten. Er soll verhindern, dass Banken illiquide werden, was im schlimmsten Fall sog. „bank-runs“ zur Folge hätte, wie beim Baufinanzierer Northern Rock (GB) beobachtet.

Geht uns also immer noch nichts an?

Nun doch, denn die Rettungsaktion für die Mittelstandsbank IKB hat alleine mehr gekostet als uns allen lieb sein konnte. Zumindest mehr als die staatsnahe Förderbank KfW für derlei Notfälle reserviert hatte (nämlich rund 3,8 Mrd. Euro!). Eine der Folgen ist dieser Tage in den Medien zu bestaunen – die Chefin der KfW, Ingrid Matthäus-Meyer tritt „aufgrund“ gesundheitlicher Gründe zurück.

Und hier im Kiez – genauso wie anderswo:

Höchstwahrscheinlich unvermeidlich wird die Inflation ihr derzeitiges Allzeithoch nochmals übertreffen, denn die massenhafte Geldzuführung der Notenbanken in den Geldkreislauf hat im ersten Quartal dieses Jahres ungeahnte, fast noch nie beobachtete Höhen erreicht. Dies kann und wird nicht folgenlos an uns vorüber gehen. Sämtliche Renten – und (nicht vorhandene) Lohnerhöhungen werden schlichtweg verpuffen. Die Banken selbst werden die Kreditzinsen anheben müssen, was im Nachgang nicht nur die Endverbraucher sondern auch die heimische Wirtschaft und damit letztlich auch die Beschäftigten treffen wird. Und die KfW, die unter anderem ökologisch orientierte Häuslebauer oder auch Studenten fördern soll? Ihr habt eueren Spargroschen lieber „sicher“ in einer Lebensversicherung angelegt – was glaubt ihr denn, wo diese die Gelder angelegt haben....

Offensichtlich scheint die „Rettung“ dieser Mittelstandsbank IKB uns doch mehr anzugehen und finanziell viel stärker zu treffen als uns allen lieb sein kann – auch wenn wir unsere Notgroschen nicht in diverse Fonds investiert hatten. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte es jüngst treffend kommentiert: „Die Gewinne werden privatisiert und die Kosten solidarisiert - wobei dies im Fall der Landesbanken nur mit Einschränkungen zutrifft.“

Dass die CDU gerne Gewinne privatisiert und die Kosten sozialisiert, weiß man ja zur Genüge. Auch dass sie bereit ist, für die transatlantische Partnerschaft etwas springen zu lassen. Aber von der SPD kann man mit Recht mehr erwarten: Wir stehen für internationale Solidarität. Das ist aber die grenzüberschreitende Solidarität unter Menschen, nicht mit dem derzeitigen internationalen Finanzsystem. Ein Umbau, statt dessen Rettung, täte Not!

Kommentar: Armin Göppert

 

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