Demokratie, nicht Demographie. Volksentscheide ernst nehmen heißt, die Diskussion mit dem Bürger suchen. „Das kann gar nicht vom Volk ausgehen, wenn soviel Geld reingesteckt wird.“ Das war der knappe Kommentar einer Passantin über die ICAT-Plakatkampagne. Das äußerte sie im persönlichen Gespräch am Infostand der SPD Falkplatz Arnimplatz. Im Zuge der Kampagne für die Schließung von Tempelhof ist die Abteilung sechsmal auf der Straße gewesen, um die Diskussion mit den Bürgern zu suchen.
■ Worum es geht
Dabei hatte die Passantin erst einmal mit der Frage überrascht, was denn die Argumente der Tempelhofbefürworter seien. Denn trotz 1000 Großplakaten von Großspendern: was ankommt, ist mehr als spärlich. Es sind nur zwei Argumente: Luftbrücke! Und weil’s alle wollen! Mit mehr Argumenten konnten wir dann aber auch nicht aushelfen, dafür über unsere Sicht informieren: die Offenhaltung Tempelhofs gefährdet den Ausbau von Schönefeld zum BBI. Dieser Flughafen ist aber der einzige, der das ständig steigende Flugverkehrsaufkommen auffangen kann. BBI würde man aufgeben für einen Flughafen, der jährlich 10 Millionen Euro Verluste macht, nur 2% des Fluggastaufkommens tragen kann, und dafür mehr als 460.000 Menschen Lärm, Abgasen und Absturzgefahren aussetzt. Nicht zu vergessen: Tempelhof kann kein lebendiger Ort zum Gedenken an die Luftbrücke sein mit seinen Sicherheitszonen und Speergebieten.
■ Demokratie, nicht Demographie
Dem stellt die ICAT und die CDU vor allem den Mythos Luftbrücke entgegen und das Argument, es seien eh alle dafür. Dabei wissen ICAT und CDU nicht mal genau, was sie wollen. Mal ist es ein Geschäftsflughafen, mal ist es ein Verkehrsflughafen, manchmal sogar ein Verkehrsflughafen mit verdoppelten Flugaufkommen, um Verluste auszugleichen- je nach Wünschen des Wählers wird dann mal das eine, mal das andere betont. Daraus ergibt sich dann die plakatierte Mehrheit der Bevölkerung: keine Mehrheit will den Verkehrsflughafen. Keine Mehrheit will den Geschäftsfliegerflughafen. Der Rest ist für die sofortige Schließung- bei einer Umfrage, die über ein Jahr alt ist. Daraus wird dann eine Mehrheit von über 70% für Tempelhof als Verkehrsflughafen. Das ist aber, mit Verlaub, keine Mehrheit, nicht mal eine gefühlte. Und der Anteil sinkt auch immer weiter. Weil man beim Straßenwahlkampf deutlich sehen kann: die meisten Bürgerinnen und Bürger lassen sich überzeugen. Nicht für Tempelhof, sondern für BBI als Berlins Zukunft.
■ Viel Geld von wenigen
Dass ICAT, CDU und FDP auch nicht von der Welle einer Bürgerbewegung getragen wird, zeigt die Art der Kampagne: Einsatz von freiwilligen Helferinnen und Helfern spielt eine geringe Rolle. Geld gibt’s dafür satt, immer noch anonym gespendet, aber wahrscheinlich von den Fluggesellschaften, die mit staatlicher Subvention von Tempelhof starten. Bürgerinnen und Bürger, welche die Kampagne tragen, hat die ICAT da nicht nötig. Zwar sind es angeblich 73% der Berliner, welche die Offenhaltung Tempelhofs als Verkehrsflughafen wollen- aber auf der Strasse stehen nur bezahlte Helfer in Uniformen von Stewardessen und Flugkapitänen. Die, wenn man mal persönlich ins Gespräch kommt, freimütig sagen, dass sie mit Nein stimmen werden – oder nicht abstimmen dürfen, weil sie noch nicht volljährig sind. Eine Volksbewegung stellt man sich anders vor.
■ Kommentar: Markus Roick