Nachbarin im Widerstand: Ella Kay

Veröffentlicht am 05.08.2013 in Geschichte

„Mein Nachbar war im Widerstand“: Unter diesem Motto gedenkt die SPD Falkplatz-Arnimplatz des sozialdemokratischen Widerstands im Kiez zwischen 1933 und 1945. Insgesamt neunzehn „Nachbarn“ konnten in den Archiven gefunden werden, die wir der Reihe nach vorstellen wollen – beginnend mit Ella Kay, Stadtverordnete und Leiterin des Jugendamtes Prenzlauer Berg. Sie wurde von den Nazis 1933 aus ihren Ämtern vertrieben, war danach trotz polizeilicher Überwachung im Widerstand aktiv. Nach dem Krieg war sie für kurze Zeit sozialdemokratische Bezirksbürgermeisterin des Prenzlauer Bergs.

Für die SPD Pankow ist sie keine Unbekannte. Bereits seit 2010 verleiht unser Kreisverband den Ella-Kay-Bürgerpreis, der an Personen oder Gruppen verliehen wird, die sich für Pankow, Demokratie und ein tolerantes Miteinander einsetzen. Weniger bekannt ist: Ella Kay war Mitglied der 31. SPD- Abteilung (Ortsverein), die am Arnimplatz lag und als „Prominentenabteilung“ galt. Neben ihr waren dort Max Kreuziger, der preußische Abgeordnete Georg Maderholz und der Vorsitzende der Berliner Parteijugend Erich Schmidt Mitglied.

Ella Kay wurde 1895 geboren und absolvierte eine kaufmännische Lehre. Seit 1919 war sie Mitglied der SPD und in der Arbeiterwohlfahrt aktiv. Unter Walter Friedländer war sie von 1925 bis 1933 Leiterin des reformorientierten Jugendamtes Prenzlauer Berg. Ab 1929 vertrat sie den Kiez zudem als Stadtverordnete im Berliner Gemeindeparlament.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte Kays politischem Engagement abrupt ein Ende. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums „säuberten“ die Nazis nach dem 7. April 1933 das Bezirksamt: 40 Beamte, 210 Angestellte und 31 Arbeiter wurden aus politischen oder rassischen Gründen in Rente geschickt oder entlassen. Eine der ersten war Ella Kay, wie sie sich erinnerte:

„1933 wurde ich sofort entlassen, ich war unter den Beamten und Angestellten die erste, die aus dem Rathaus verjagt wurde. Das Kollwitz-Bild aus meinem Amtszimmer nahmen die Nazis mir weg. Einige ehemalige Fürsorgezöglinge präsentierten sich stolz in SA-Uniform.“

Sie eröffnete eine Wäscherei in Berlin-Neukölln und war trotz Polizeiaufsicht weiterhin politisch aktiv, half den Angehörigen von politisch und rassisch Verfolgten. Zudem fand sie Anschluss an den Widerstandskreis um Max Fechner.

Nach dem Krieg kehrte sie als Abteilungsleiterin in das Bezirksamt Prenzlauer Berg und half mit, die SPD wiederaufzubauen. Von 1946 bis 1947 war sie demokratisch gewählte Bürgermeisterin im Bezirk. Die sowjetische Militäradministration erhöhte aber immer mehr den Druck auf sie, bis sie nach Berlin-Wilmersdorf auswich, um einer Verhaftung zu entgehen.

Ella Kay war von 1947 an stellvertretende Vorsitzende der Berliner SPD, 1955- 1962 Senatorin für Jugend und Sport in Berlin und von 1958 bis 1968 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Sie verstarb 1988.

Mehr über den Widerstand im Kiez unter www.meinnachbarwarimwiderstand.de

 

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Roland Schröder | 

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