
Der Mauerpark ist ein Dauerthema in der SPD Falkplatz-Arnimplatz: Wie soll und kann die geplante Erweiterung aussehen? Welche Lösungen gibt es für den Umgang mit anfallenden Müllmassen? Wie erreicht man eine gesunde Mischung aus Event- und Erholungspark? Was können wir tun, um den Erhalt der Jugendfarm Moritzhof dauerhaft sicherzustellen? Fragen die uns seit Jahren kontinuierlich beschäftigen und weiterhin beschäftigen werden. Grund genug also, den üblichen Rahmen einer Abteilungssitzung einmal zu verlassen und eine Vor-Ort-Besichtigung in Form eines geführten Spaziergangs durch den Park vorzunehmen.
Gegen Maximalbebauung im Norden des Mauerparks

Beginn ist um 19.30 Uhr an der Jugendfarm Moritzhof. Das Thema hat viele Mitglieder gelockt – trotz Fußball Europameisterschaft! Wir freuen uns auf die fachkundigen Erklärungen unseres Abteilungsmitglieds Rainer Krüger, der gleichzeitig auch engagiertes Mitglied der Freunde des Mauerparks und Sprecher der Bürgerwerkstatt ist. Eindringlich verdeutlicht er uns, wie nah eine Vollbebauung auf der Weddinger Seite im Norden des Mauerparks an die Jugendfarm heranrücken würde. Absehbar wären in dem Fall Beschwerden über Lärm und Gerüche. Zudem würde eine maximale Bebauung eine maximale Zuwegung benötigen – auch diese könnte eine Bedrohung für den Moritzhof werden. Aus gutem Grund also hat sich unsere Abteilung immer gegen eine maximale Bebauung im Norden des Mauerparks gestemmt!
Wo einst die Grenze war
Weiter geht es zum Übergang über den Gleimtunnel. Über ihn führten einst die Gleise der Berliner Nordbahn. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Blickt man hinab auf die Straßenführung im Wedding ist deutlich zu erkennen, dass hier einst eine Sackgasse mit Wendemöglichkeit war. Westberlin war zu Ende - der Tunnel war gesperrt, der östliche Ausgang durch die Mauer gesperrt.

Wir gehen durch das idyllische Birkenwäldchen und gelangen in den südlichen Teil des Mauerparks. Severin Höhmann, der sich als Gast aus der SPD Kollwitzplatz, Winskiez, Kastanienallee zum Spaziergang eingefunden hat, erläutert uns die Bedeutung der schwarzen Pflastersteine auf dem Weg: hier verlief einst die Grenze - bis zum Gebietstausch zwischen Ost-und West-Berlin im Jahr 1988. Westberlin erhielt das sogenannte Lenné-Dreieck und Ost-Berlin unter anderem einen 50m breiten Streifen des heutigen Mauerparks. „Hätten sie damals noch etwas mehr getauscht, hätten wir heute so manches Problem nicht“, scherzt Severin. Der Gebietstausch und die damit verbundene Verschiebung des Grenzverlaufes führen damals zum Bau einer dritten Mauer in diesem Grenzabschnitt: im Osten die sog. Hinterlandmauer (auf Ostberliner Seite) in der Mitte die Mauer entlang des ursprünglichen Grenzverlaufs und eine weitere entlang des nun verschobenen Grenzverlaufes.
Ungelöst: Die Müllentsorgung
Aber nicht nur historische Bezüge werden hier auf dem Weg deutlich. Rainer weist uns auf eine der nicht mehr nutzbaren Müllcontainer hin. Für viel Geld wurden in den Bodeneingelassene Abfallcontainer angeschafft. Doch diese erwiesen sich als unbrauchbar. Die Öffnungen zu klein, oft gab es Brände, weil Grillasche entsorgt wurde, die Entleerung war aufwändig. Nun sind die Container entfernt. Eine neue, dauerhafte Lösung steht noch aus.
Graffiti und Urban Gardening

Wir besteigen nun die Anhöhe zum Hauptstadion des Friedrich-Ludwig-Jahn Sportparks. Hier steht noch ein Teil der Hinterlandmauer – die heute offiziell als Graffiti –Fläche genutzt werden darf. Eine schwarz-weiß Fotografie, die zeigt, wie der vor uns liegende Mauerpark kurz nach der Wende von eifrigen Bürgern mit Spaten und Harken erobert und begrünt wurde, löst großes Interesse aus. „ So großes Engagement der Bürger wünschen wir uns auch bei der Nutzbarmachung der zukünftigen Parkfläche im Wedding“, erklärt Rainer Krüger. Ein „urban gardening“ -Projekt solle deshalb unbedingt bei der Erweiterung eingeplant werden.
„Hier muss etwas passieren“
Und weiter geht es – durch den Zaun hinüber auf die Weddinger Seite, vorbei an den Lokalitäten des „Mauerseegler“ und des Café Sonnenschein zum südlichen Eingang.

Wo heute Parkgastronomie, Blumenhandel und der Flohmarkt beheimatet sind, war früher das Gelände des Güterbahnhofs der Nordbahn (Güterbahnhof Eberswalder Straße). Der Eingang des Mauerparks an der Eberswalder Straße wird noch heute von der Mauer des alten Empfangsgebäudes umrahmt. Auch auf dem Geländer selbst finden sich viele Zeugnisse der bahnerischen Vergangenheit: unser Abteilungsmitglied Günter Wetzel – ehemaliger Bahnmitarbeiter – zeigt uns einen alten Prellbock und eine Gleiswaage am Wegesrand. Immer wieder sind Teile der alten Gleisanlagen zu sehen sowie Reste der alten Begrenzungsmauer des Geländes. Darüber hinaus prägen Zäune und verwilderte Brachen das Gelände auf der Weddinger Seite des Mauerparkgeländes. „Man müsste ja einfach nur die Zäune wegnehmen, dann wäre es hier ja schon ganz nett“, bemerkt eine Teilnehmerin. Noch liegt das Gelände überwiegend brach bzw. wird gewerblich genutzt. Es wird klar: hier muss dringend etwas passieren!
Problem der Zuwegung

Als wir wieder am Gleimtunnel angelangt sind, wird noch einmal die mögliche Bebauung nördlich der Gleimstraße thematisiert. Nach Beschlusslage der Bezirksverordnetenversammlung Pankow soll hier ein sozial-ökologische Bebauung - möglichst genossenschaftlich – stattfinden. Das würde einerseits Wohnraum schaffen, andererseits eine gemäßigte Zuwegung ermöglichen. Denn hier an dieser Stelle wird das Problem der verkehrstechnischen Erschließung besonders deutlich: Es gibt nur wenig Platz für eine Straße. Da der Gleimtunnel unter Denkmalschutz steht, ist es rechtlich kaum möglich, ihn an einer Stelle zu durchbrechen und so eine breitere Zufahrtsstraße zu schaffen. Bleibt eine Erschließung über die Kopenhagener Straße, die unweigerlich den Moritzhof bedrohen würde. Gute Gründe gegen ein Vollbebauung!
Auf dem Rückweg zum Moritzhof sind sich alle einig: Eine sehr gelungene Ortsbegehung, bei der wir alle noch etwas gelernt haben! Danke Rainer für die fachkundige Führung!