Willy und der Kiez: Zum hundertsten Geburtstag von Willy Brandt

Veröffentlicht am 17.12.2013 in Abteilung

Willy Brandt 1955 auf einer Weihnachtsfeier der SPD Prenzlauer Berg. (c) AdSD

„Berlin wird leben und die Mauer wird fallen“ Diese bewegenden Worte von Willy Brandt finden sich in Bronze gegossen an der Böse-Brücke in der Bornholmer Straße. An diesem Ort schneidet sich auch das Leben von Willy Brandt und unser Kiez um Falkplatz und Arnimplatz: Als Regierender Bürgermeister von Berlin (1957 bis 1966) erlebte er in der Stadt den Mauerbau und 1989 als Ergebnis seiner Entspannungspolitik den Fall der Mauer. Der erste Grenzübergang, der 1989 geöffnet wurde, war der an der Bornholmer Straße. Nur konsequent also, dort auch an Willy Brandt zu erinnern. Was weniger bekannt ist und auch nicht durch eine Bronzeplatte verewigt wurde: Willy Brandt war öfters bis 1961 bei seinen Genossinnen und Genossen im Prenzlauer Berg zu Besuch.

Denn bis zum Mauerbau gab es dort weiterhin offiziell die SPD. Ihre Organisation blieb nach der Zwangsvereinigung funktionsfähig, sie litt aber unter einem deutlichen Mitgliederschwund und zunehmenden Repressionen sowie dauernder Überwachung. Unterstützung aus den Kreisverbänden in West-Berlin war da hochwillkommen. Zumindest für die SPD-Genossen. Den SED-Genossen und der Volkspolizei war „Willy“ weniger willkommen. So kam es dann auch schon vor, dass Willy Brandt eine Veranstaltung der Abteilung 04 über das Klofenster verließ. Stattgefunden hat das alles in einem Lokal in der Paul-Robeson-Straße, damals noch die Stolpische Straße.



Nicht verboten, aber auch nicht frei: sich zur SPD im Ostsektor zu bekennen, war ein Schritt, der nicht leicht fiel. Hilfe und Zuspruch von Willy Brandt war da hochwillkommen.

Seine Unterstützung der Genossinnen und Genossen im Osten sicherte auch Willy Brandt die volle Aufmerksamkeit des Neuen Deutschlands. Er soll nach dem Mauerbau verschiedenen Genossinnen und Genossen zur Flucht verholfen haben (Berliner Zeitung 17/260, Seite 2 vom 20. September 1961). Dazu habe er Ausweise geschmuggelt, und wie es weiter heißt, seine Anhänger angestachelt haben, gleiches zu tun. Der Kreisgeschäftsführer Willy Bartsch wurde als Brandt’s Buckel verunglimpft, der in den Abteilungsversammlungen Prügel von der Mitgliedschaft bekommt. Weil in Ost-Berlin damals natürlich alle SPD-Genossen gegen den Kriegstreiber Brandt waren und die SED viel besser fanden, wie das Neue Deutschland konstatiert. Ganz mit der für Kommunisten eigenen Sachlichkeit. Die Geschichte hat letzten Endes bewiesen, dass Brandts Weg richtig war.

Viel mehr als diese wenigen Erinnerungen und Splitter aus Unterlagen sind nicht überliefert über Willy Brandt und unseren Kiez. Er hat aber seine Genossinnen und Genossen am Arnimplatz und Falkplatz nicht vergessen und war für sie da. Das soll nicht vergessen sein.

Anmerkung: Willy Bartsch wurde in einer ersten Version als Kreisvorsitzender tituliert. Tatsächlich war er angestellter Kreisgeschäftsführer. Danke für den sachdienlichen Hinweis.

Markus Roick

 

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